Schweizer U19-Nationalteam: Mit voller Kraft voraus

Gerade erst hat das Schweizer U19-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft im schwedischen Uppsala knapp die Medaillienplätze verpasst. Schon in wenigen Wochen stehen die nächsten Wettkämpfe an. Der Tessiner und Nationaltrainer des Schweiz U19-Nationalteam Amos Coppe setzt alles daran, dass die Schweiz sich rehabilitiert und wieder unter den Top 3 Nationen der Welt spielen kann. Aktuell ist die Schweiz die Weltnummer 4, nach der WM 2018 gar nur die Weltnummer 5. Die Weltmeisterschaft 2018 war eine Weltmeisterschaft zum Vergessen aus Schweizer Sicht. Mit dem Kampagnenziel „18-Karat-Gold“ legte Swiss Unihockey die Messlatte hoch. Mit dem erstmaligen nicht erreichen der Halbfinals scheiterte das Team und die Kampagne grandios.

Durch die mehrfache Verschiebung der Weltmeisterschaft 2020 in den Herbst 2021, blieb nun dem Schweizer U19-Nationalteam nicht viel Zeit für die Vorbereitung. Eine Zeitlang führte der Staff zwei Teams parallel. Nun gilt es sich innert kürzester Zeit auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. LadyStrike beleuchtet die Situation wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft. Dazu haben wir bei Amos Goppe nachgefragt.

Interview mit Amos Coppe

Amos, vielen Dank, dass du Zeit hast für dieses Interview. Wo steht ihr mit den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft im kommenden Mai? Wie sieht der Weg dahin noch aus?

Erstens müssen wir noch auf den definitiven Entscheid der IFF warten, wo wir genau spielen werden. In dieser 7-monatigen Kampagne mussten wir uns auf alle Themen vorbereiten. Die Schwerpunkte waren bis jetzt folgende: Die Special-Situationen und mentale Aspekte. Ende Januar haben wir ein weiteres Trainingslager. Weiter geht es mit einem Turnier (Polish Cup) anfangs Februar und schliesslich noch ein Pre-WM-Camp Ende April.

Nun war ja die letzte Weltmeisterschaft im September mit dem 4. Rang resultatmässig eher unbefriedigend. Wo habt ihr angesetzt?

Wir haben nach der WM eine detaillierte Analyse gemacht und alle möglichen Aspekte berücksichtigt und kritisch hinterfragt. Am Ende haben wir drei Themen gewählt, welche für uns Priorität haben und wir uns verbessern wollen: Mentalität, Special Situations, und (Einzel)taktik.

Amos Coppe im Einsatz
Amos Coppe (2. von rechts) im Einsatz mit dem Schweizer u19-Nationalteam.

Wenn ihr die Weltmeisterschaft 2020 wie geplant hättet spielen können? Wäre dann das Resultat anders herausgekommen?

Unmöglich zu sagen. Es wäre sicher alles anders gewesen. Wenn wir beispielsweise in der Gruppenphase nur drei Spiele mit normaler Dritteldauer à 20 Minuten gehabt hätten, wäre die Gesamtbelastung tiefer ausgefallen. Herausforderungen waren auch Covid-Tests während der WM-Woche und entsprechende «Isolation» der betroffenen Spielerinnen bis zum Resultat. Aus diesem Grund mussten wir auf Spielerinnen für einige Spiele verzichten. Und schliesslich haben wir die zwei entscheidenden Spiele am Wochenende nicht gewonnen.

Dafür müssen wir keine Ausreden suchen wollen. Wir wären sicher in der Lage gewesen die zwei Spiele zu gewinnen und hatten die Spielerinnen dazu. Der mentale Aspekt war schliesslich zentral.

Wie wird die Schweiz im kommenden Mai Weltmeister?

Wichtig ist, dass jede Spielerin mit dem gleichen gemeinsamen Ziel an die WM geht. Und diese Ziel soll lauten, dass wir eine Medaille gewinnen wollen. Jede Spielerin muss alles dafür unternehmen, damit wir am Wochenende performen werden. Es ist wichtig, dass jede einzige Spielerin die Verantwortung übernimmt, um im entscheidenden Moment etwas zu bereit zu sein, damit sie Fortschritte machen kann.

Wir müssen mit Energie, Feuer und Freude spielen.

Amos Goppe, Trainer Schweizer U19-Nationalteam

Ich glaube aber auch das entscheidend ist, dass jede Spielerin das Bewusstsein und Selbstvertrauen entwickelt, dass sie den Unterschied machen kann und einen wichtigen Beitrag zum Sieg leisten kann. Und zuletzt braucht es eine Entwicklung, dass wir ein Team werden und jede für die Mitspielerin dafür kämpft. Wir müssen als Team auftreten. Wir müssen mit Energie, Feuer und Freude spielen. Und am Ende brauchen wir logischerweise auch etwas Wettkampfglück.

Wo siehst du die grossen Stärken der nächsten Generation?

Ich sehe im technischen Bereich den Hauptunterschied der jüngeren Spielerinnen im Vergleich zu den Älteren. Man sieht, dass praktisch alle jungen Spielerinnen im RLZ (Anm. d. Redaktion: Regionales Leistungszentrum) trainieren. Dadurch wird das durchschnittliche Niveau immer besser wird.

Kann die Schweiz mit den „Grossen“ zukünftig mithalten?

Ja absolut. Davon bin ich 100% überzeugt. Es gibt sehr viele spannende Spielerinnen mit Jahrgang 2005 und jünger. Diese haben ein enormes Potential. Unsere Aufgabe ist es, sie so gut als möglich in ihrer Entwicklung zu begleiten und unterstützen.

Wie bereitet sich Amos Coppe auf ein Spiel vor?

Sehr interessante und komplizierte Frage. Sie bezieht sich auf viele Aspekte gleichzeitig. Ich mache ein Beispiel anhand der Gegneranalyse, einer der wichtigsten Punkte während der einer Weltmeisterschaft. Da schauen wir wie der Gegner spielt und wie wir entsprechend spielen wollen. Hauptpunkte sind dabei das System im Forechecking und ums Tor, welches Pressingsystem sie spielen oder welche Freistösse sie machen. Wir versuchen aber auch Tendenzen im Spiel mit Ball bei den Auslösungen und im Festsetzen zu erkennen oder zu schauen, wie sie am meisten Tore schiessen. Nicht zuletzt von grosser Wichtigkeit sind die Special Teams (PP, BP, 6vs5, 5vs6).

Kommentar der Redaktion

Die Schweiz ist gefordert. Nach zuletzt ausgebliebenen Erfolgen ist der Erwartungsdruck hoch. Diesen Druck auf den aktuellen Staff und die Spielerinnen des Schweizer U19-Nationalteam zu übertragen, ist in den Augen von LadyStrike jedoch falsch. Das Team und der Staff arbeiten gewissenhaft und mit einem klaren Ziel vor Augen.

Viele Vereine und Clubs haben die Jahre zuvor teils gepennt und die Entwicklung verschlafen. Dies jetzt in der Nationalmannschaft aufzuholen ist schlicht unmöglich. Die Zukunft hat Potential und die jungen Spielerinnen bringen eine breitere Ausbildung mit. Darauf gilt es aufzubauen und den nächsten Schritt zu machen, damit die Schweiz nach dem goldenen 90er Jahrgang endlich wieder um Gold mitspielen kann.

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